Al-Mu'min

Al-Mu’min

DER WAHRER DER SICHERHEIT

Alhamdulillah. Allah ta’ala verleiht denjenigen, die Seine Herrschaft anerkennen und Seinen Gesetzen folgen, Sicherheit und wahrt sie auf die beste Weise. Doch was bedeutet es eigentlich sicher zu sein? Woran erkennen wir dieses Gefühl und wann spüren wir, dass es fehlt? Widmen wir uns diesem Thema für heute, inschaAllah.

Ich sehe Unsicherheit täglich in meinem Umfeld. Ein kurzes Gespräch reicht, um zu erkennen und zu spüren, wie unsicher das Gegenüber ist. Ich spreche hierbei nicht (nur) von Selbstsicherheit, sondern von dem Lebensgefühl derjenigen, die meinen, in diesem Leben auf sich allein gestellt zu sein. Wie oft habe ich mich schon gefragt: Wofür leben diese Menschen? Was ist ihr Sinn im Leben? Wie lange wollen – können – sie noch diese schrecklich künstlichen Grimassen des Desinteresses und der Unbetroffenheit (oder gar der selbst behaupteten, vermeintlichen “Unfähigkeit, die Wahrheit als solche zu erkennen”) vorgaukeln, wenn sie doch in ihrem Inneren spüren, spüren müssen, dass es das hiermit nicht gewesen sein kann? Soll das wirklich das Leben sein? Das war’s?

Ist es nicht irgendwie ironisch, dass die Mehrheit der hiesigen Menschen den Sinn in ihrem Leben – bewusst oder unbewusst – darin sieht, sich vom Leben abzulenken? Es geht in wie auch immer gearteter Weise immer nur darum, sich zu betäuben, sich zu überreizen, sich bis ins Unerträgliche vollzusaugen mit Oberflächlichkeiten und natürlich: Konsum, Konsum, Konsum. Bitte nicht nachdenken, bloß keine tieferen Fragen stellen. Ich denke an den Satz eines Muslims, der einen Atheisten in die Moschee einlädt, doch dieser lehnt ab. Der Muslim fragt daraufhin: „Hast du etwa Angst, es könnte am Ende wirklich noch was hängenbleiben?“ Und ist es nicht so? Ich habe das Gefühl, die Überlegungen dieser Menschen laufen darauf hinaus, dass ihr Sinn des Ganzen darin besteht, dem Ganzen keinen Sinn geben zu wollen. Es ist mir unbegreiflich.

Manchmal werden große Töne gespuckt und man zelebriert nicht nur seine eigenen Verdrängungskünste, sondern spottet auch über diejenigen, die sich im Interesse der Wahrheitsfindung mit Fragen auseinandersetzen, die auch unangenehm sein können. Ich meine das Problem als ein recht banales zu erkennen: Der Anspruch vieler Menschen ist schlichtweg nicht die Wahrheitsfindung, sondern das Bedürfnis ein möglichst bequemes (wenn es mit im Set ist, gerne auch ein „moralisches“) Leben zu führen. Dafür bedient man sich im Katalog der Weltanschauungen, sucht sich die schmackhaftesten, spannendsten, populärsten heraus und modelliert sie sich in die Religion à la carte. Was für ein Verständnis von Wahrheit steckt dahinter? Verdient eine „Wahrheit“ denn noch ihren Namen, wenn sie relativ ist? Ist nicht das ausschlaggebende – oder einzige? – Charakteristikum der Wahrheit eben jenes der Absolutheit? Wie stabil ist eine „Wahrheit“, die mit Launen, Gesellschaften und Vorlieben wechselt?

Und da landen wir wieder bei der (vermeintlichen) Sicherheit. Ich bin nicht sauer, ich bin nicht enttäuscht und ich habe ja auch irgendwie Verständnis, dass man sich das Leben nicht schwer machen will. Aber sind wir es uns als Menschen nicht schuldig, uns bestimmte Fragen zu stellen und dann auch für die Antworten geradezustehen und unser Handeln unseren Erkenntnissen anzupassen? Mmh… vielleicht bin ich doch ein bisschen enttäuscht. Es ist immerhin die Frage aller Fragen: Warum bin ich hier?

Ich kenne Menschen, die würden jetzt sagen: „Keine Ahnung und interessiert mich nicht.“ Manchmal muss ich innerlich kichern (oder weinen?) und frage mich, ob diese Personen im Angesicht des Todes ihre Forschheit bewahren werden, wem sie das Gefühl der Dankbarkeit gegenüber äußern, wenn sie mit etwas Unglaublichem gesegnet werden und vor allem: Wenn sie heimlich, still und leise im Innersten ihres Herzens etwas hoffen, etwas vermissen, etwas brauchen, die sogar für sie selbst kaum wahrnehmbaren Worte in der heimlichsten Ecke ihres Kopfes murmeln, den unüberwindbaren Drang verspüren, um etwas zu bitten: Mit wem sprechen sie? Mit dem Weihnachtsmann?

InschaAllah werde ich bei Gelegenheit nochmal ausführlicher auf den Anbetungsinstinkt des Menschen eingehen, aber für heute soll dies genügen. Ich hoffe, ihr könnt aus meinen Worten mitnehmen, dass nur Einer, der Verleiher und der Wahrer der Sicherheit, Al-Mu’min, uns nachhaltig und tatsächlich mit dem unerschütterlichen Gefühl der Geborgenheit segnen kann. All das Treiben auf dieser Welt, dem so viele verfallen sind, ist der verzweifelte Versuch die Leere zu stopfen, die Sehnsucht zu unterdrücken, die unweigerlich vorhanden ist und derer sich auch mehr als man glaubt bewusst sind. Aber es einfach mal wagen, den Schritt zu gehen, alles in Betracht zu ziehen, was einem mal so weit weg schien, sich Konventionen, Erwartungen und Gewohnheiten zu widersetzen, im eigenen Interesse – dieser Schritt scheint vielen zeitlebens ein zu gewaltiger zu sein. Und das bricht mir das Herz.

Ich wünsche diesen Menschen aus tiefster Seele, dass sie den Mut finden werden, sich nicht nur den Fragen, sondern auch den Antworten zu stellen. Ich schließe euch in meine Gebete. Möge Allah ta’ala euch die Sicherheit verleihen, nach der ihr so herzzerreißend sucht. Amin.

“Und Allah leitet, wen Er will, auf einen geraden Weg.”

(Koran, Sure 2, Vers 213)

Für H.

° Liebstes Salam °

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