Al-Muhaymin

Al-Muhaymin

Der Beherrscher ° Der Bewacher ° Der Beschützer

 

Der Name „Al-Muhaymin“ kommt im Koran nur an einer Stelle vor:

„Er ist Allah, außer Dem es keinen Gott gibt,

Er ist der Herrscher, der einzige Heilige,

der Eigner des Friedens, der Verleiher von Sicherheit,

der Beschützer, der Allmächtige,

der Verbesserer, der Majestätische.

Gepriesen sei Allah über all das, was sie ihm beigesellen.“

(KORAN, SURE 59, VERS 23)

Dieser Name wird auch mit „der uneingeschränkt Bestimmende“ übersetzt. Allah ta‘ala ist der Bewacher von jeder noch so kleinen und noch so großen sich ereigneten, gerade ereignenden und sich noch zu ereignenden Begebenheit. Diesem Schutz, Seiner Beobachtung, sollten wir uns ständig bewusst sein und uns immer wieder daran erinnern. Ein Prediger sagte einmal, es sei unmöglich, dass ein Muslim, während er eine Sünde begeht, an Allah ta’ala denke, ohne dass er die verwerfliche Handlung sofort zu unterbinden versuche. Wie oft war es schon so, dass wir uns einer Sünde bewusst waren, uns im Moment ihres Begehens aber nicht getraut haben aufrichtig Allah ta’alas zu gedenken? Würden wir diesen Schritt jedes Mal wagen, wenn wir eine Untat begehen, so würde uns die (Ehr-)Furcht vor dem Erhabenen sicherlich etliche Male vor Falschem bewahren.

Das Bewusstsein darüber, dass wir ununterbrochen bewacht werden, ist einzig und allein eine Gnade für uns, es schadet nicht, noch nützt es Allah. Ob wir sündigen oder nicht, schmälert Allah ta’alas Eigenschaften in keiner Weise. Er ist erhaben über unsere Fehler und Missetaten. Die einzigen Verlierer sind wir selbst, wenn wir uns nicht darum scheren, dass die kleinsten wie die größten unserer Taten aufgezeichnet werden und wir für jede einzelne von ihnen werden Rechenschaft ablegen müssen.

Häufig höre ich, man solle das Ganze doch als Muslim nicht so eng sehen, nicht so streng sein, Allah sei doch allvergebend, die paar Flaschen Bier, die sporadischen Exzesse, die flüchtigen „Bekanntschaften“, werde Er schon vergeben, es seien doch nur Kleinigkeiten.

Woher diese Sicherheit, frage ich mich? Wer wiegt uns in dieses Gefühl und wer ernennt uns zum Richter darüber, was eine „Kleinigkeit“ und was keine sei? Sicherlich gibt es Dinge, die schwerer wiegen als andere, das ist uns bekannt. Doch keiner Seele wird mehr aufgebürdet als sie zu leisten vermag und ebenso: Jede Seele hat nach dem Guten, dem Besten zu streben, was sie zu leisten vermag. Vielleicht wird meine Schwester auf der anderen Seite der Welt für dieselbe Handlung, die ich hier vollziehe, mit der höchsten Stufe des Paradieses belohnt, während es in meinem Fall nicht angemessen wäre, weil mir die entsprechende Handlung hier ein leichtes ist et vice versa.

In jedem Fall aber können wir nicht einfach aus Bequemlichkeit unser falsches Handeln zu legitimieren suchen, wenn wir in unserem Inneren genau wissen, wir könnten uns genauso gut richtig verhalten. Dass man diese angreifbare Ehrlichkeit nach außen trägt, ist wohl unzumutbar. Und genau deshalb ist es so wichtig, dass wir uns klarmachen, dass Er über unser Innerstes Bescheid weiß, uns bewacht und beobachtet und wir durch das Erinnern an diese Tatsache in erster Linie vor uns selbst geschützt werden.

Ich halte es für einen Trugschluss, dass wir gänzlich selbst entscheiden könnten, welche unserer – guten oder schlechten – Taten schwer- oder weniger schwerwiegend seien. Zum einen kann Allah ta’ala, wenn wir in tiefer Aufrichtigkeit bereuen und wenn Er es will, die schlimmsten und größten aller Sünden vergeben, denn Er ist Ar-Rahman, Ar-Rahim. Dann spielt es keine Rolle mehr, wie groß uns diese Untat vorkam. Zum anderen kann es uns als die banalste, kleinste Misse- oder gute Tat vorkommen und doch kann ebendiese am Tag des Gerichts das Zünglein an der Waage sein.

Wenn ich dazwischen schwanke, eine freiwillige, gottesdienstliche Tat zu verrichten oder nicht, habe ich oft das Bild einer Schalenwaage vor Augen, die mittig exakt ausgewogen ist. Soll ich noch Sunna beten? Noch eine Minute Allah ta’alas mit „SubhanAllah, Alhamdulillah, Allahu akbar“ gedenken? Auch die nächste Seite Koran lesen? Mir den Vortrag von Bruder Soundso anhören?

Ich bemühe mich darum, mir dann vorzustellen, dass ebendieses Gebet, ebendiese Minute, ebendiese Seite, ebendieser Vortrag das letzte, alles entscheidende Gewichtlein sein wird, was mich am Tag des Gerichts aufatmen lassen wird. Habe ich mich in solchen Situationen dazu entschieden, die freiwillige Tat noch zu vollziehen, senkt sich danach die Waage vor meinem geistigen Auge ganz langsam auf der rechten, guten Seite und meine Augen füllen sich mit Wasser vor Hoffnung, Dankbarkeit und Vorfreude darauf, dass diese Handlung inschaAllah Fürsprache für mich einlegen wird. SubhanAllah. Möge Allah ta’ala uns die Kraft geben, uns in solchen Momenten immer für das Bessere zu entscheiden. Amin.

In einem rührenden Vortrag sprach die vortragende Schwester von dem Verhältnis zwischen Mann und Frau in der Ehe. Sie erzählte, dass es sie traurig mache, wie viele – auch muslimische – Frauen heutzutage meinten, sich gegen ihren Mann behaupten zu müssen, indem sie nicht mehr gütig zu ihm sind und sich nicht um ihm kümmern. Ich hing an ihren Lippen und war ergriffen von ihren Worten, weil sie mir aus der Seele sprach und ich ihr Unverständnis über die Kämpfe, die heute in so vielen Ehen herrschen, absolut nachempfinden konnte und die Situation mich ebenso traurig machte. Sie beschrieb, wie harmonisch eine Ehe sein kann und betonte die dafür nötige Barmherzigkeit zwischen zwei Eheleuten und wie diese für ihr Verhalten belohnt werden. Eine sinngemäße Wiedergabe ihres Beispiels, was mich tief berührte und zum Weinen brachte:

Stell dir vor, du kochst deinem Mann jeden Morgen Kaffee. Du weißt, wie er ihn mag, zwei Löffel Zucker, wenig Milch. Bevor er in die Küche kommt, steht die Tasse mit der richtigen Temperatur schon auf dem Tisch. Dein Mann gibt dir einen Kuss, bedankt und setzt sich. Du rührst den Kaffee um und reichst deinem Mann die Tasse.
Merke dir, Schwester, jede einzelne Umdrehung des Löffels wird dir am Jüngsten Tag als Spende und gute Tat, als Sadaqa, angerechnet. So barmherzig ist Allah ta’ala mit den Barmherzigen.

Vielleicht wird uns am Ende die banalste, gute Tat retten oder die banalste, schlechte Tat ins Verderben stürzen. Lasst uns also inschaAllah nie vergessen, dass Allah ta’ala „Al-Muhaymin“ ist. Der, Der alles sieht, uneingeschränkt bestimmt, alles beherrscht und bewacht.

Ich schließe mit den Worten des Gesandten (s):

„Allah sprach:

‚O Meine Diener, Ich habe Mir Selbst die Ungerechtigkeit untersagt und habe sie auch euch untersagt, so tut einander kein Unrecht.

O Meine Diener, ihr alle geht in die Irre, außer dem, den Ich rechtleite; so erbittet die Rechtleitung von Mir, dann leite Ich euch.

O Meine Diener, ihr seid alle hungrig, außer dem, den Ich speise; so erbittet Speise von Mir, dann speise Ich euch.

O Meine Diener, ihr seid alle nackt, außer dem, den Ich kleide; so bittet Mich um Kleidung, dann kleide Ich euch.

O Meine Diener, ihr begeht in der Nacht und am Tage Verfehlungen, und Ich vergebe alle Missetaten; so bittet Mich um Vergebung, dann vergebe Ich euch.

O Meine Diener, ihr vermögt Mir nicht zu schaden, und so werdet ihr Mir nicht schaden, und ihr vermögt Mir nicht zu nutzen, und so werdet ihr Mir nicht nutzen.

O Meine Diener, wenn der erste unter euch und der letzte unter euch, die Menschen unter euch und die Dschinn unter euch so frommen Herzens wären wie der Frömmste unter euch, so vermehrte dies Meine Herrschaft nicht.

O Meine Diener, wenn der erste unter euch und der letzte unter euch, die Menschen unter euch und die Dschinn unter euch so sündigen Herzens wären wie der Sündigste unter euch, so verringerte dies Meine Herrschaft nicht.

O Meine Diener, wenn der erste unter euch und der letzte unter euch, die Menschen unter euch und die Dschinn unter euch, auf einer einzigen Ebene stünden und sie Mich bäten, und wenn Ich dann jedem einzelnen gäbe, worum er Mich bäte, so verminderte das nicht, was bei Mir ist, um mehr als das, was eine Nadel vermindert, wenn sie ins Meer getaucht wird.

O Meine Diener, es sind (allein) eure Taten, die Ich euch anrechne, danach gebe Ich euch für sie in vollem Maß. Wer also auf Gutes stößt, der lobe Allah, und wer auf etwas anderes stößt, der tadele niemanden außer sich selbst.‘“

(al-Ghifari)

° Salamu alaikum meine Lieben °

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