Al-Khaliq

Al-Khaliq

Der Schöpfer

Die Bezeichnung „Al-Khaliq“ kommt im Koran fünfmal vor. Was aber Seine Schöpfungsmacht angeht, so finden wir dafür zahlreiche Beispiele, aus denen hervorgeht, dass Allah ta’ala Seine Schöpfung aus dem Nichts hervorruft.

„Der Schöpfer der Himmel und der Erde! Wenn Er ein Ding beschließt, so spricht Er zu ihm nur: ‚Sei!‘ und es ist.“

(Koran, Sure 2, Vers 117)

Sehr interessant im Hinblick auf die heutige Zeit und die philosophischen Debatten, die geführt werden, finde ich folgende Überlieferung, in der der Gesandte (s) sagte:

“Der Shaytan kommt zu einigen von euch und sagt: ‚Wer hat dieses und jenes erschaffen? Wer hat dieses und jenes erschaffen?‘ – bis er sagt: ‚Wer hat deinen Herrn erschaffen?‘ Wenn dies geschieht, dann lasst denjenigen Zuflucht bei Allah suchen und aufhören, darüber nachzudenken.“

(Abu Huraira)

Ich erinnere mich daran mir ähnliche Fragen oftmals gestellt zu haben, als ich den Islam noch nicht praktiziert habe. Zeitweise haben mich diese Gedankenspiralen wirklich zur Verzweiflung gebracht. Ich spürte, dass es eine Lösung für mein Problem gab, doch ich war – aufklärerisch aufgewachsen – der festen Überzeugung, die Lösung liege darin, immer weiter zu fragen, immer tiefer zu gehen, immer verbissener zu suchen. Wie ironisch. Inmitten der vernarrten Vergötterung des Prinzips „Hinterfrage alles!“ versäumt man, das Prinzip selbst zu hinterfragen. Tut man es nicht, ist man dem Prinzip nicht mehr treu. Tut man es, zerstört man das Prinzip. Eine zum Scheitern verurteilte Ideologie.

Irgendwann begriff ich, dass es viel einfacher war. Ich ließ einfach los, ließ die drängenden philosophischen Fragen gehen, die nichts in meinem Leben für mich getan hatten, außer mich zu belästigen. Ich verstand, dass Diskussionen, die sich auf der gefühlten achten Stufe der Abstraktheit abspielten, nichts für mein praktisches Dasein bedeuteten. Dass ich lernte, manche Dinge einfach gehen zu lassen bzw. anzunehmen, änderte mein ganzes Leben.

Es klingt pathetisch, ich weiß, doch auf einmal fühlte ich mich so frei und alles war deutlicher denn je. Es war, als hätte ich mein Leben lang Schlieren in den Augen gehabt, schlaftrunken meine Tage verbracht, wissend, dass ich nicht bei klarer Sicht war und wartend auf die kleine Handbewegung, die meinen Blick scharfstellen würde. Und da war sie nun, „wisch & weg“, wenn man so will. Keine Verzweiflung, keine ungelösten Fragen mehr.

Mir wurde bewusst, dass man Antworten nur dann finden kann, wenn man bereit ist, sich seine Fehlbarkeit und sein „Untergeordnetsein“ gegenüber einer höheren Entität einzugestehen. Dass wir Menschen nicht perfekt sind, leugnet niemand. Doch so demütig zu sein, zu akzeptieren, dass uns manche Antworten einfach nicht bestimmt sind, manche Dinge immer unzugänglich bleiben werden, dies scheint sehr vielen Menschen – und so war es auch früher bei mir – immer noch unmöglich zu sein.

Ich denke, die Kunst besteht darin, auf der einen Seite die Welt und alles um uns herum zu hinterfragen: Warum bin ich hier? Was ist der Sinn meines Lebens und wie kann ich ihn erfüllen? Und auf der anderen Seite zu erkennen und zu akzeptieren, wann wir an unsere Grenzen stoßen. Unverzichtbare Voraussetzung, um hier eine Balance zu finden, ist Aufrichtigkeit und Demut bei der Suche nach der Wahrheit.

Sich manche Dinge nicht vorstellen zu können, verleitet viele Menschen dazu, davon auszugehen, dass sie nicht existieren – und spricht auch die ganze Welt für dessen Existenz.

Stell dir einen weißen Sandstrand vor. Entlang des Ufers findet sich eine lange, gleichmäßige Strecke von Fußabdrücken. Fersen, fünf Zehen auf jeder Seite, linker Fuß, rechter Fuß, linker Fuß, rechter Fuß, so lang, dass man kein Ende sieht und niemand anderes ist da.

Wärst du mutterseelenallein an diesem Strand, würdest du annehmen, die Wellen hätten diese Spuren im Sand geformt? Würdest du meinen, der Wind zeichnete diese Bilder? Selbst wenn Milliarden von Jahren vergingen, niemals würdest du davon ausgehen, es sei Zufall, dass diese Schritte im Sand sind.

Du musst denjenigen, der vorüberging niemals gesehen haben, musst ihn dir nicht vorstellen können, musst ihn nicht hören, musst von niemandem etwas über ihn erzählt bekommen. Du musst dir nur die Spuren ansehen und wirst durch deine eigene Verstandeskraft begreifen können: Es war jemand hier! Jemand hat seine Spuren hinterlassen und ich erkenne sie als solche.

Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, wie die Menschen auf dieser unglaublichen Erde umherwandern können, ohne die Zeichen zu sehen.

„In der Schöpfung der Himmel und der Erde und in dem Unterschied von Nacht und Tag liegen wahrlich Zeichen für diejenigen, die Verstand besitzen.“

(Koran, Sure 3, Vers 190)

° Eure Schwester °

 

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