Al-Fattah

Al-Fattah

° Der Öffnende °

Diese Eigenschaft des Schöpfers kommt nur einmal im Koran vor. Häufig wird diese Stelle auch mit “Entscheider” übersetzt:

“Sag: Zusammenbringen wird uns unser Herr, hierauf wird Er zwischen uns der Wahrheit entsprechend entscheiden. Er ist der wahrhaft gerechte Entscheider, der Allwissende.”

(Koran, Sure 34, Vers 26)

Dieser wunderschöne Name bedeutet, dass Allah ta’ala alles öffnet, was Seinen Geschöpfen verschlossen und unüberwindbar war. Denken wir an eine Arbeitsstelle, die wir unbedingt wollen oder an einen Partner, mit dem wir gerne eine Ehe schließen möchten oder an eine Reise, die wir uns wünschen zu unternehmen – all diese Dinge können uns nur von Ihm, al-Fattah, eröffnet werden.

Wir müssen uns klar machen, dass wir uns in erster Linie immer an Allah ta’ala zu wenden haben. All die Menschen, Institutionen, Ratgeber, die uns helfen können, sollten wir in Anspruch nehmen. Doch wir dürfen dabei nie vergessen, dass letztlich nur Einer unseren Beruf, unsere Ehe oder unsere Reise bestimmen kann und wird.

Die ganze Welt könnte sich gegen dich verbünden, dir alle Wege versperren, jede Tür vor deiner Nase zuknallen, dir alles verwehren, was du gerne möchtest: Wenn Allah ta’ala für dich bestimmt hat, dass du diese eine Sache bekommst, dann werden die Pläne der ganzen Welt egal und nichtig. Und wenn die ganze Welt dich einlädt, dich beschenkt, dir Versprechungen macht, dich reich machen will: Wenn Allah ta’ala für dich bestimmt hat, dass dir diese eine Sache verwehrt bleibt, kann die ganze Welt sich auf den Kopf stellen und tun, was sie will – Er ist und bleibt der Entscheider.

Als ich mir einmal vor vielen Jahren Sorgen darum machte, wie ich mich zu der Zeit finanzieren sollte, bat ich eine Schwester um Rat. Um mir meine Sorgen zu nehmen, malte sie mir ein geistiges Bild, das ich noch heute stets im Hinterkopf behalte.

Sie sagte: “Wir machen den Fehler zu glauben, je mehr wir arbeiten, desto mehr Geld verdienen wir und je weniger wir arbeiten, desto ärmer sind wir.” Ich wunderte mich, da ich dieser Aussage in der Tat eine Logik zu entnehmen glaubte.

Dann fuhr sie jedoch fort: “Wir müssen uns aber darüber im Klaren sein, dass wir nur das verdienen werden, was bereits für uns geschrieben steht. Wir können arbeiten und arbeiten und arbeiten und es wird nie mehr auf unserem Konto sein, als Allah ta’ala schon längst bestimmt hat und ebenso umgekehrt.

Stell dir einfach vor, du hättest irgendwo einen Lagerraum gemietet und in diesem Lagerraum befindet sich all das Geld, das du in deinem Leben besessen hast, gerade besitzt und besitzen wirst. Jeden Cent, den du verdienst, holst du dir von dem Stapel Geld in diesem Raum ab. Mit einem neuen Gehalt wird der Berg Geld in diesem Raum also nicht etwa höher und mit jedem Verlust nicht etwa niedriger. Sondern du holst dir nur ab, was bereits geschrieben steht. Summe X bleibt Summe X.

Das einzige, was du beeinflussen kannst, ist der Weg, wie du dir dieses Geld holst. Du kannst es dir abholen, indem du Alkohol verkaufst oder ein Casino betreibst oder Zinsverträge abschließt. Du kannst es dir aber auch abholen, indem du Stoffhandel treibst oder Kinder unterrichtest oder Bücher schreibst.

Deshalb ist es so fatal, dass einige meinen, sie dürften unislamisch ihr Geld verdienen, weil sie ja sonst nichts zum Leben hätten. Genau das und zwar nur das ist ihre Prüfung: Werden sie eine kritische Situation auf dem Wege Allahs lösen oder werden sie sich Schändlichem zuwenden, in dem Irrglauben auf diese Weise mehr Geld zu verdienen?

Der Geldberg in deinem Lagerraum steht schon fest, überlege dir einfach, ob dieser Weg die jeweilige Menge abzuholen, sinnvoll und legitim ist. Du wirst nie mehr verdienen, als du sollst. Wenn du das im Hinterkopf behältst, wirst du dir in Zukunft auch keine Vorwürfe machen, etwa weil du meinst, du hättest einen anderen Job mit mehr Geld machen sollen. Es ist quasi eine Frage der Zeit, bis du all dein Geld abgeholt hast, was schon die ganze Zeit bereitliegt.”

Ich habe daraus gelernt, dass wir uns natürlich Mühe geben sollen, wenn wir einen Job, einen Partner oder was auch immer haben möchten. Aber erstens kann nur Allah ta’ala uns am Ende die Pfade in die jeweilige Richtung öffnen und zweitens sollten wir auch darauf vertrauen, dass, wenn diese Pfade für uns verschlossen bleiben, immer etwas Gutes darin liegen kann. Deshalb sollten wir Allah ta’ala auch immer darum bitten, uns eine Sache zu erleichtern, wenn Gutes darin liegt, aber ebenso, Seine Entscheidung anzunehmen und sich darauf zu verlassen, dass Sein Wissen unendlich ist, wenn Er uns diese Sache aus uns vielleicht nicht sofort ersichtlichen Gründen verwehrt hat.

Nur Er kann uns versperrte Wege wieder freimachen, wenn sie gut für uns sind, und nur Er kann uns freie Wege wieder versperren, wenn sie schlecht für uns sind.

Möge Allah ta’ala uns immer den rechten Weg weisen und unseren Iman dahingehend stärken, dass wir Seine Entscheidungen annehmen und nicht aus Hochmut hinterfragen. Amin.

Allah, der Öffnende, weiß es am besten.

° Eure unwissende Schwester °

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