Ash-Shakur

Ash-Shakur

° Der Sich dankbar Zeigende °

Allah ist der absolut Dankbare, der Seinen Dienern für jede gute Tat dankt und ihnen den Lohn – Seiner göttlichen Ermessung entsprechend – zukommen lässt. So sind wir auch angehalten auf gute Taten eines anderen mit den Worten „Allah möge es dir danken“ (arabisch: „Shakar Allahu lak“) zu reagieren, welche dem Wohltäter unermesslichen göttlichen Segen bringen.

Der Gesandte (s) sagte:

„Während ein Mann unterwegs war, überkam ihn ein sehr starker Durst. Als er einen Wasserbrunnen sah, kletterte er in ihn hinab und trank von dem Wasser. Sobald er aber aus dem Brunnen herausgeklettert war, fand er einen Hund, der mit lechzender Zunge aus Durst den Sand fraß.
Der Mann sagte zu sich: ‚Dieser Hund befindet sich auf Grund des Durstes in der gleichen Lage, in der ich mich zuvor befand.‘ Er kletterte dann wieder hinab, füllte seinen Lederstrumpf mit Wasser, hielt diesen mit seinen Zähnen fest, kletterte hinauf und ließ den Hund trinken. Allah dankte ihm dann für diese Tat und vergab ihm seine Sünden!‘
Die Leute sagten: ‚O Gesandter Allahs, werden wir auch für die Tiere belohnt?‘ Der Prophet sagte: ‚Für jedes Lebewesen werdet ihr belohnt!‘“

(Al-Bukhari)

Diese rührende Überlieferung bietet einen schönen Anlass hier einmal den Tier- und Umweltschutz im Islam zu thematisieren.

Interessant finde ich hierbei, dass ausgerechnet einem Hund in einer Notlage geholfen wird, wo doch gerade dieses Tier bzw. der Speichel dieses Tieres im Islam (zumindest für die meisten Gelehrten) als „unrein“ („najas“) gilt und ein Hund nur unter bestimmten Bedingungen gehalten werden darf (z.B. als Wach- oder Jagdhund). Man darf aus dieser Einschränkung also keinesfalls den Schluss ziehen, dass man dieses – oder irgendein anderes Geschöpf – respektlos behandeln darf. Sei es ein Hund, ein Schwein, eine Mücke oder ein Gänseblümchen. Denn der Gesandte (s) sagte eindeutig, dass wir für rechtschaffenes Verhalten gegenüber jedem(!) Lebewesen belohnt werden, subhanAllah.

Dies ist auch im Hinblick auf unsere Essgewohnheiten interessant. Das Thema ist altbekannt: Die Massentierhaltung mit erniedrigenden Lebensbedingungen für Geschöpfe Gottes, die es nicht verdient haben, in solch einem widerlichen Elend geboren zu werden, zu leben und zu verrecken. Was können wir dagegen tun? Eine systematische Veränderung eines solchen Problems ist als Individuum nicht möglich, auch wenn so manch Idealist einem das weismachen will. Diese Ansicht ist nicht verwerflich, im Gegenteil, sie klingt sympathisch, motiviert und gutherzig – aber eben auch utopisch. Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass strukturelle Probleme auch auf struktureller Ebene gelöst werden müssen. Mit anderen Worten: Wir können als Einzelner löblicherweise auf die Straße gehen und für den Weltfrieden demonstrieren – die Fäden habe ich aber nicht als Einzelner in der Hand, sondern die dicken, gesichtslosen, mysteriösen Fische hinter verschlossenen Türen an Mahagony-Schreibtischen.

Es ist wunderbar, sich für Tiere und Umwelt einzusetzen und ich möchte das – um Gottes Willen – auch nicht anprangern (was wäre ich dann für eine Muslimin?). Ich möchte lediglich meinen kleinen Teil dazu beitragen, die Erwartungen an die Früchte dieser Arbeit auf ein realistisches Maß zu senken. Um das Problem des widerwärtigen Umgangs mit Tier und Umwelt also zu lösen, bedarf es auch einer Lösung auf entsprechender Ebene, auf die ich an dieser Stelle nicht genauer eingehen kann und möchte.

Trotzdem obliegt uns natürlich auch eine individuelle Pflicht, Allahs Schöpfung respektvoll zu behandeln und wir werden für das, was wir im Rahmen unserer Möglichkeiten tun, auch zur Rechenschaft gezogen.

Und genau daran versuche ich mich bei jedem Einkauf zu erinnern, wenn ich vor dem Fair-Trade-Produkt und dem zwei Euro billigeren Hausmarken-Produkt stehe. (FYI: Beim Kaffee denke ich nicht mehr nach, nachdem ich einmal eine grauenvolle Dokumentation über das Leben und Elend der Kaffeebauern gesehen hatte – Leid und Ausbeutung, natürlich ausgelöst durch die ekelhafte Profitgeilheit der Kapitalismusmonster auf der anderen Seite der Welt. Seitdem habe ich meine Entscheidung inschaAllah ein für alle Mal zugunsten des Fair-Trade-Kaffees gefällt.)

Aber auch grundsätzlich wünsche ich mir irgendwann nur noch Fair-Trade-Lebensmittel zu kaufen (auch wenn das – das möchte ich nochmal betonen – nicht die Lösung des grundsätzlichen Problems ist, sondern lediglich übergangsweise ein kurzfristiger Weg sein kann, meiner individuellen Pflicht gegenüber Allah ta’ala gerecht zu werden, Seine Schöpfung gebührend zu würdigen).

Sieht man sich bei YouTube einige Videos von muslimischen Bauern an, wie sie ihre Tiere islamisch schächten, mit so viel Respekt, Liebe und Gottesfurcht, dann bekommt man eine Vorstellung davon, was es eigentlich bedeutet, gebührend mit Gottes Lebewesen umzugehen, ohne sich genötigt zu fühlen, vegan zu leben, um dem überhaupt gerecht werden zu können. Wäre es nicht verquer, sich einen fetten „Halal“-Stempel auf seine Hähnchen kleben zu lassen, weil man Allahs Namen über das Tier gesprochen hat, als man es schlachtete, während man Seinen Namen und Seine Forderung, Seine Schöpfung respektvoll zu behandeln, gleichzeitig mit Füßen tritt, weil die geschlachteten Tiere in Qualen lebten und starben? SubhanAllah. Ich weiß, dass es nicht überall so gottesfürchtig zugeht (trotz Stempel) und es ist eine Schande.

Neben meiner Meinung, dass ein Tier ohnehin nur dann erlaubt für uns ist, wenn es islamisch geschächtet wurde (und nicht lediglich, wenn es kein Schweinefleisch ist, was viele als einziges Kriterium heranziehen), ist dies ein weiterer Grund für mich, nur dann und dort Fleisch zu essen, wo ich nach bestem Wissen und Gewissen sagen kann, dass das Geschöpf ein Leben und einen Tod in Würde führen konnte. Wurde dieses Leben und dieser Tod nicht im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen, geführt, so kann ich schlichtweg nicht davon ausgehen.

Und damit ist inschaAllah meine Mindestanforderung bei der Frage danach, ob und wann ich ein Tier esse, das Versprechen eines vertrauenswürdigen Muslims, dass dieses so gelebt hat und gestorben ist, wie Allah ta’ala es uns auferlegt hat. Frage ich also: „Ist das Fleisch halal?“ und die entsprechende Antwort ist: „Es ist halt kein Schweinefleisch“, entscheide ich mich für das vegetarische Gericht (wenngleich oftmals beleidigtes Gemurmel oder geringschätzende Blicke die Reaktion darauf sind). Möge Allah ta’ala uns immer die Kraft und die Weisheit geben, die richtige Entscheidung in Seinem Sinne zu treffen. Amin.

SubhanAllah – wir müssen uns vergegenwärtigen: Geben wir aufrichtig und mit größtmöglicher Sorgfalt acht auf die Schöpfung, so reagiert der Erhabene mit Dankbarkeit uns gegenüber. Und was gibt es Besseres, als dass der Erschaffer der Welten uns – uns unwichtigen, bedürftigen, kleinen Wesen – Seine Dankbarkeit entgegenbringt? Gut zu sein ist niemals umsonst.

Behüten wir Seine Schöpfung, meine lieben Geschwister, und sein wir Seiner Schöpfung barmherzig, auf dass Allah subhanahu wa ta’ala, Ash-Shakur, uns ebenso barmherzig ist und uns dankt. Amin.

° Eure Schwester °

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