Al-Qabid

Al-Qabid

° Der Zusammenziehende ° Der Vorenthaltende ° Der Zurückhaltende

Dieser Name beschreibt die Eigenschaft Allahs, dass Er nach eigenem Ermessen bestimmte Dinge vorenthält, sie also zurückhält.

„Wer ist es, der Allah ein stattliches Darlehen gibt, dass Er es ihm vielfach vermehren möge? Und Allah mindert und vermehrt, und zu Ihm sollt ihr zurückgeführt werden.“

(Koran, Sure 2, Vers 245)

Bei dieser Gelegenheit möchte ich schon einmal kurz den nächsten Namen „Al-Basit“, der Ausbreitende, erwähnen, der gewissermaßen das Gegenstück zu „Al-Basid“ darstellt. Vielleicht habt ihr bereits festgestellt, dass viele der Namen Allahs in Paare sortiert werden können. So gibt es zum einen Attribute die jeweils einen Gegenaspekt voneinander beschreiben – so zum Beispiel „Al-Qabid“, der Zusammenziehende oder Vorenthaltende und „Al-Basit“, der Ausbreitende oder Freigiebige – und zum anderen einander ähnliche Attribute, die sich in ihrer jeweiligen Bedeutung in einem bestimmten Aspekt unterscheiden bzw. ergänzen – so zum Beispiel „Ar-Rahman“, der allein Allah vorbehaltene Name, welche die gesamte Schöpfung umfassende Barmherzigkeit Allahs benennt und „Ar-Rahim“, die Eigenschaft, die mit Allahs Erlaubnis auch für Geschöpfe verwendet werden darf und speziell die Barmherzigkeit Allahs gegenüber seinen rechtgeleiteten Dienern bezeichnet.

Die Bezeichnung „Al-Qabid“ umfasst alles, was mit „Verbieten“, „Vorenthalten“, „Entziehen“ und „Verhindern“ zu tun hat, darunter fällt zum Beispiel die Knappheit der Nahrung, des Vermögens und schließlich auch das Entziehen der Seele aus dem Leib. Ich möchte mich heute jedoch auf den Aspekt des „Verhinderns“ konzentrieren, den wir sicherlich alle schon einmal selbst erlebt haben.

Sicher habt ihr schon häufig die Erfahrung gemacht, dass eine Sache nicht funktioniert hat, die ihr euch gewünscht habt. Wie bereits im Post über den wunderschönen Namen „Al-Fattah“, der Eröffnende, angesprochen, möchte ich hier noch einmal daran erinnern, dass wir uns darauf verlassen müssen, Gott nicht auch, sondern gerade in schwierigen Zeiten vertrauen zu können. Ich weiß, dass es nicht immer einfach ist, hierbei standhaft zu bleiben.

Aber Allah ta’ala hält etwas Besseres für uns bereit und anstatt krampfhaft an einer verlorenen Sache zu arbeiten und ständig mit dem Kopf durch die Wand zu laufen, sollten wir lieber versuchen zu lernen, Allahs Wege und Entscheidungen zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen.

Ich denke die Schwierigkeit besteht hierbei darin, nicht den Moment zu verpassen, an dem man allmählich erkennen sollte, dass eine Sache nicht für einen bestimmt ist. Gibt man zu früh auf, könnte es genauso gut Ungeduld und fehlende Standhaftigkeit gewesen sein, die uns dazu trieb. Lässt man auch nach jahrelangem Scheitern nicht los, will man möglicherweise einfach nicht akzeptieren, dass Allah ta’ala uns den Erfolg in dieser Sache für eine bessere vorenthalten wird.

Eine wunderbare, liebenswerte Schwester aus meinem Leben lebt seit Jahren in dieser Bredouille. Vor einer gefühlten Ewigkeit entschied sie sich für einen Lebensweg. Doch Allah ta’ala hat ihr in Seiner unendlichen Weisheit tausend Steine in den Weg gelegt. Einer nach dem anderen riet ihr davon ab, weiter diesem Pfad zu folgen, es sei doch sowieso aussichtlos. Ich bewunderte sie für ihre Ausdauer und ihre Geduld. Sie ließ sich nicht davon abbringen und blieb auf ihrem Weg. Niemand konnte ihr den Erfolg in dieser Sache vorenthalten.

Niemand, außer Allah.

Denn nun – viele Jahre später – befindet sie sich an exakt derselben Stelle dieses Weges und es scheint, als hätten bloß die Steine, die ihn blockieren, ihre Form verändert. Sie steht immer noch da, ein paar Ameisenschritte hinter sich gebracht, verbissen auf ihr Ziel blickend, vor einem Meer von Schlaglöchern, Hindernissen und kaum zu überwindenden Schranken. Ist das noch Standhaftigkeit oder Sturheit? Manchmal habe ich das Gefühl, sie sieht weder die vergangenen Erfahrungen auf diesem Weg, noch das, was ihr bevorsteht, wenn sie weiter versucht, ihn zu beschreiten. Sie sieht nur den Zweck, berücksichtigt jedoch nicht die dafür notwendigen Mittel.

Es tut mir im Herzen weh, aber ich befürchte, dass sie den Augenblick verpasst hat, an dem sie hätte akzeptieren müssen: Diesen Weg möchte Allah ta’ala mir vorenthalten und ich sollte einen anderen wählen.

Ich schließe dich, liebste Schwester, in meine Gebete und wünsche dir aus tiefer Seele, dass du Allah ta’alas Eigenschaft als Al-Qabid verstehst, verinnerlichst und akzeptierst. Möge Er dir deinen Weg erhellen und dich sehen lassen, dass Er dir hier eine Grenze gesetzt hat, weil Er etwas weitaus Besseres für dich bereithält. Lass los und verlasse dich auf Ihn und Seine unendliche Weisheit! Was auch immer du tust: Du wirst niemals etwas verlieren, wenn du dich auf dem Wege Allahs befindest. Ich glaube an dich und unterstütze dich. Möge Der, Der nach eigenem Ermessen vorenthält, dir einen Weg ebnen, der leicht zu beschreiten ist und in reichlicher Belohnung mündet. Amin. Ich liebe dich für Allah.

„Wenn Allah in euren Herzen etwas Gutes weiß, wird Er euch etwas Besseres geben als das, was euch genommen worden ist, und wird euch vergeben. Allah ist Allvergebend und Barmherzig.“

(Koran, Sure 8, Vers 70)

Für S.

° Salam °

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