Al-Mudhill

Al-Mudhill

° Der Demütigende °

„Und Allah ließ sie im irdischen Leben Schande kosten; doch die Strafe im Jenseits wird gewiss größer sein, wenn sie es nur wüssten!“

(Koran, Sure 39, Vers 26)

Dieser Name steht in Wechselbeziehung zum vorherigen „Al-Mu’izz“, der Machtverleihende. Auch hier wird wieder deutlich, wie Allah ta’ala zwei scheinbar gegensätzliche Eigenschaften in sich vereint und als Einziger diese Attribute in Sich zusammenbringen kann.

Er wird diejenigen, die ihre Mitmenschen unterdrücken, erniedrigen, schlimmer und mächtiger als sie es taten. Und keiner ist Ihm gleich. Was hätten wir für ein Verständnis von Gerechtigkeit, wenn die schlimmsten Taten, die bei klarem Verstand und ohne Reue begangen werden, ungestraft davonkämen?

Ich besuchte vor einigen Jahren den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Ich saß hinter einer Glasscheibe in der Zuschauertribüne und konnte gemeinsam mit anderen Besuchern dem aktuellen Gerichtsprozess folgen. Zufälligerweise saß ich direkt vor dem Angeklagten. Ein dicker, gemächlicher Herr, ich schätze um die 40, zwischen zwei Polizisten. Er war ein tyrannischer Herrscher in einem afrikanischen Land und die Anklage lautete: Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Unter anderem hatte er sich, während der von ihm diktierte Genozid vonstattenging, abgehackte Kinderhände durch Fäden miteinander verbinden lassen und sich die daraus entstandene Kette in seinem Heimatland um den Hals gehängt.

Ich hörte diese und andere unerträglich grauenvolle Geschichten über diesen Mann von der Dame, die uns durch die Räume und Etagen des Gerichts führte. Sie stand da, berichtete diese Dinge, wegen des internationalen Publikums in englischer Sprache, nicht kalt, aber doch abgeklärt, während ich nicht nur das beschriebene Bild, sondern auch den Mann real und greifbar nah vor mir sah. Ein Monstrum, ein Unmensch, nur einen Meter von mir entfernt, wie er mit der Polizistin flirtete und dem Polizisten scherzte. Es schien ihn nicht zu interessieren, dass ihm die schlimmsten aller Verbrechen zugeschrieben wurden und was die Richter besprachen hörte er wohl nur am Rande. Zeugen gab es an diesem Tag keine, doch wenn gewöhnlich Zeugen aufgerufen wurden, sei das Ganze noch um einiges emotionaler, berichtete die Dame.

Jemand fragte sie, wie sie mit ihrem Beruf umgehe, täglich solche Prozesse zu verfolgen und diese grausamen Geschichten zu hören, und ob man irgendwann abstumpfe.

Sie antwortete mit einem Satz, der mir seitdem nicht mehr aus dem Gedächtnis ging und der heute noch schmerzt, wenn ich an ihn denke: „To be honest… The stories you hear in this building make you doubt humanity.” Erst da begriff ich, dass ich in ihrer nüchternen Art Abgeklärtheit mit Resignation verwechselt hatte. Sie hatte ihren Glauben an das Gute im Menschen, an die gesamte Menschheit verloren. SubhanAllah.

(Un-)Menschen wie dieser – nur Gott weiß, was in seinem Herzen war – werden, wenn sie nicht aufrichtig ihre Taten bereuen und Allah ta’ala ihnen in Seiner unermesslichen Gunst zu vergeben bereit ist, diese Eigenschaft Allahs, des Demütigenden, zu spüren bekommen, auf die schlimmste Weise und wie es ihnen gebührt. Denn Allah ta’ala ist der Gerechte.

° Eure betroffene Schwester °

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