Al-Khabir

Al-Khabir

° Der Kundige °

Allah ta’ala ist Al-Khabir, Der, Welcher um die kleinsten Rechnungen des Herzens weiß. Seien unsere Grübeleien noch so geheim, noch so tief versteckt, noch so verwerflich, noch so löblich. Er weiß um sie und wird über sie im Guten wie im Schlechten richten.

„Und dein Herr weiß, was ihre Herzen verbergen und was sie offenbaren.“

(Koran, Sure 28, Vers 69)

Wir (meiner Erfahrung nach vor allem Frauen) tendieren oft dazu, uns mit Dingen verrückt zu machen, mit denen wir uns eigentlich abfinden müssten, da wir ihren Ausgang schlichtweg nur einschätzen und nicht sicher absehen können. (Wovon können wir das schon?)

Ich möchte in diesem Zusammenhang speziell auf die Wahl des Ehepartners eingehen. Gerade hierbei ist es besonders eindeutig, dass eine gute Portion schlichtes Gottvertrauen dazugehört, sich für oder gegen jemanden zu entscheiden, da diese Sache – unser Lebenspartner – von Anfang an feststeht. Im Grunde müssen wir innerlich also „nur“ die üblichen Kriterien abfragen und wenn diese erfüllt sind, die Sache in die Hände Allahs legen. Das klingt banal, aber wird meiner Erfahrung nach tatsächlich selten so einfach gehandhabt und das mag vor allem auf jene zutreffen, die in einer unislamischen Umgebung (also hier) aufgewachsen sind oder sich diese Maßstäbe zu eigen gemacht haben. Denn wenn ein Leben geprägt ist von Diesseitsbezogenheit kann man sich eben nur auf die eigenen Bewertungen verlassen und das Vertrauen, das wir Muslime ab einem bestimmten Punkt nur noch in Gott legen müssen, wird hier in nichts anderes als Lebenserfahrung und Menschenkenntnis gesetzt. Natürlich sollten auch wir Muslime das tun, doch unser Wissen ist nun mal begrenzt und wir können die reichste Lebenserfahrung und die beste Menschenkenntnis besitzen: Auch wir werden nicht wissen, wie ein Mensch sich irgendwann entwickelt oder nicht entwickelt. Allahu ‚alam – Gott weiß es am besten.

Ich kenne sehr viele, die am potenziellen Partner eigentlich nichts auszusetzen haben, sich aber mit Eventualitäten und hypothetischen Worst-Case-Szenarien wahnsinnig machen und sich im schlimmsten Fall bei einer richtigen Entscheidung im Weg stehen oder eine gute Sache so lange hinauszögern, bis es ins Haram oder zumindest in eine „islamrechtliche Grauzone“ gerät. Das ist schade, haben wir doch von Allah ta’ala vor allem in der Person des Gesandten (s) im Grunde eine Checkliste für den richtigen Partner bzw. für die notwendigen und wichtigen Qualitäten erhalten. Natürlich sollte auch das Gefühl stimmen, aber auch das ist Bestandteil der Checkliste und wenn das Gefühl nicht stimmt – vor allem, nachdem man das Istikhara-Gebet verrichtet hat – sollte man ebenso eine entsprechende Entscheidung treffen und diese auch als von Gott gegeben annehmen.

Und ich denke, genau an dieser Stelle hadern einige: Es ist leicht gesagt und leicht gebetet, dass man von Allah ta’ala eine Entscheidung oder Hilfe bei der eigenen erhalten möchte. Doch was, wenn diese Entscheidung und die Zeichen und Hinweise in eine bestimmte Richtung nicht die sind, die man sich eigentlich erhofft hatte? Wann sind wir schon zu 100 % neutral hinsichtlich einer Sache? Und selbst wenn man von vornherein zu der von Gott getroffenen Entscheidung tendierte, heißt das nicht, dass die Alternative abzulehnen einfach oder gar angenehm sei.

Das Gefühl in solch einer Situation ist stark von unserem Gottvertrauen abhängig. Wir sollten Allah ta’ala darum bitten, dass wir Seine Entscheidung und die von Ihm in eine bestimmte Richtung weisenden Umstände nicht nur als solche erkennen, sondern dass wir auch stark genug sind, diese aufrichtig zu akzeptieren und vor allem: danach zu handeln. Wäre es nicht witzlos, wenn wir Allah ta’ala um etwas bitten, es erhalten und es dann ablehnen, weil es möglicherweise unangenehm sein könnte? Be careful what you wish for, heißt es.

In diesem Sinne: Lasst uns immer den Islam als Maßstab unseres Handelns, unserer Entscheidungen und unserer Partnerwahl nehmen. Denn nur Allah ta’ala weiß, ob sich jemand in zehn Jahren verändern wird, ob diese Person diejenige ist, an dessen Seite wir alt und schrumpelig werden und ob sie ihr wahres Gesicht zeigt. Wir tun, was wir können, informieren uns, lernen die Person, ihre Familie, ihre Lebensumstände kennen und der Rest liegt in Allahs Hand. Denn Er – nur Er! – ist der Kundige, Der, Der um die kleinsten Rechnungen in unserem Herzen weiß, besser als wir selbst.

Der Gesandte (s) sagte:

„Eine Frau wird aus vier Gründen geheiratet: ihres Geldes wegen oder ihrer Abstammung, ihrer Schönheit oder ihrem Glauben wegen. So entscheide dich für die Frau mit dem Glauben und du wirst der Gewinner sein.“

(Al-Bukhari)

Möge Er, al-Khabir, uns in unserem Vertrauen zu Ihm und Seiner unendlichen Weisheit stärken und uns in jeder Lage unseres Lebens die islamischen Maßstäbe anlegen lassen. Amin.

° Eure Schwester °

 

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