Al-Kabir

Al-Kabir

° Der Allergrößte °

Allah ist größer als alles in Seiner Schöpfung und als jede von Seinen Geschöpfen gemachte Vorstellung und Beschreibung.

Er, der Erhabene, ist der Schöpfer der Himmel und der Erde. Es gibt nichts Seinesgleichen, Er ist ein Einziger und keiner ist Ihm gleich.

„Hast du denn nicht gesehen, dass Allah die Nacht in den Tag übergehen lässt und den Tag übergehen lässt in die Nacht und dass Er die Sonne und den Mond dienstbar gemacht, so dass jedes seine Bahn läuft zu einem bestimmten Ziel, und dass Allah wohl kundig ist dessen, was ihr tut?

Dies, weil Allah allein die Wahrheit ist – und was sie sonst außer Ihm anrufen, ist Falsches – und weil Allah, Er, der Erhabene ist, der Allergrößte.

(Koran, Sure 31, Verse 29-30)

Ferner heißt es in Sure 56, Verse 95-96:

„Wahrlich, dies ist die Wahrheit in aller Gewissheit. Lobpreise darum den Namen deines großen Herrn.“

Auffällig ist, dass Allah ta’alas Eigenschaft als „Al-Kabir“ häufig im Zusammenhang mit Wahrheit und Falschheit bzw. Lüge genannt wird. Ich möchte dies zum Anlass nehmen kurz und zwangsläufig nur recht oberflächlich inschaAllah einen Denkanstoß zum großen Thema „Wahrheit“ bzw. Erkennbarkeit von Wahrheit zu geben.

Ist Wahrheit als solche erkennbar? Gehen wir natürlicherweise davon aus, dass Wahrheit erkennbar ist? Ist Realität nur ein Konstrukt unseres Geistes, wie die Konstruktivisten es behaupten?

Oder ist es schlichtweg nicht möglich, zu entscheiden, ob wir Wahrheit erkennen können oder nicht, wie es die Agnostiker gerne postulieren? Müssen wir akzeptieren, dass wir diese Fragen nicht beantworten können?

Ich habe mich in diesem Zusammenhang gefragt, nach welchem Konzept wir intuitiv leben, denn automatisierte Verhaltensweisen und unser natürlicher, unbewusster Umgang mit unserer Umwelt und miteinander beantworten uns ja häufig genug Fragen auf deutlichste Weise, ohne dass es großartig philosophischer Abhandlungen bedarf.

Und so ist doch unser Umgang mit der Welt allein bereits Indiz, dass wir zunächst einmal intuitiv davon ausgehen, Wahrheit als solche erkennen zu können und mit ihr gewissermaßen zu hantieren. Ein Kind läuft auf einen Stuhl zu, um sich darauf zu setzen. Es geht natürlicherweise nicht davon aus, dass dieser Stuhl nicht existiert oder dass er verschwindet, wenn es dort ankommt. Unsere Erfahrung lehrt uns, dass wir Realität wahrnehmen und uns in der Regel auch auf diese Wahrnehmung verlassen können. Würde der Stuhl plötzlich verschwinden, wären sowohl Kind als auch Erwachsener verständlicherweise recht verdutzt und diese Erfahrung würde gegen unsere reguläre Wahrnehmung von Realität, gegen unseren natürlichen Umgang mit objektiven Tatsachen – nämlich, dass dieser Stuhl dort, wo ich ihn sehe, auch tatsächlich steht – verstoßen.

Nun wächst das Kind heran, wird ein gebildeter Erwachsener in einer Welt, die ihm das Aufklärungsdiktum „Hinterfrage alles!“ auferlegt, und es gehorcht. Es hinterfragt. Und hinterfragt mehr. Und hinterfragt mehr. Bis es am Ende so viel und so exzessiv hinterfragt, dass es nicht mehr weiß, was es glauben kann und soll. Diese Infragestellungs-Neurose wird ad absurdum geführt, indem der Mensch sich letzten Endes gar fragt, ob er sich das Richtige fragt. Er stellt seine Existenz, seine Wahrnehmung, die natürlichsten, selbstverständlichsten Dinge in Frage, kann sich auf nichts mehr verlassen und kommt notgedrungen zu der Antwort: Ich kann nichts wissen. Ergo: Ich kann nicht erkennen, was wahr ist.

Das Verrückteste daran ist: Er beantwortet sich die Frage, ob er Wahrheit erkennen kann, mit einer verneinenden Antwort, die für sich in Anspruch nimmt wahr zu sein. Das ist nicht konsequent und der Fragende betrügt sich selbst.

SubhanAllah, warum macht man sich das Leben so schwer? Wofür all das Gefasel? Ist es die fehlende Akzeptanz, dass es Dinge gibt, die größer sind, als wir selbst? Müssen wir unfähig sein, Wahrheit zu erkennen, weil wir uns manches nicht vorstellen können? Ist denn eine Sache unwahr, weil ihr Wesen zu groß für den menschlichen Verstand ist? Müssen bzw. dürfen wir daraus schließen, dass sie nicht existiert?

Nein, wir erkennen Wahrheit. Wir leben nach diesem Prinzip und wir funktionieren nach diesem Prinzip. Dass wir dabei an unsere Grenzen stoßen müssen, ist kein Zufall, sondern fein ausgeklügelte Bestimmung, die uns in Demut erstarren lassen sollte und uns begreifbar machen sollte, dass wir Wahrheit nicht nur zu erkennen haben, sondern ihr auch gerecht werden müssen. Das große Wort „Verantwortung“ schwebt über unseren Köpfen und mit dem Vorwand: „Ich weiß nichts also muss ich nichts.“ kann man diese Erscheinung sehr effizient ausblenden. Doch Wahrheit wäre nicht wahr, wenn sie nicht absolut – in jedem Sinne – wäre.

Wir erkennen Allah ta’alas Wahrheit und sollten uns vor ihr, in Anbetracht der Erhabenheit des Allergrößten, vor Überwältigung zu Boden werfen. SubhanAllah.

In tiefer Ehrfurcht

° Eure Schwester S °

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