Al-Basit

Al-Basit

° Der Ausbreitende ° Der Freigiebige °

Bei dieser Eigenschaft handelt es sich um den Gegenpart der vorangegangenen. Sie besagt nämlich, dass Allah ta’ala da, wo Er zupackt und zusammenzieht, auch Derjenige ist, Der ausbreitet, erleichtert, beschert und reichlich gibt ohne Maß.

„Sprich: ‚Fürwahr, mein Herr weitet und beschränkt die Mittel zum Unterhalt, wem Er will; jedoch die meisten Menschen wissen es nicht.‘“

(Koran, Sure 34, Vers 36)

Möge Allah ta’ala uns zu denjenigen gehören lassen, die dies wissen, verstehen und danach leben. Es sagt sich leicht, doch wirklich nicht zu verzweifeln, wenn uns vieles genommen wird und sich auf Seine Eigenschaft als Freigiebigen zu verlassen, kann manchmal eine echte Herausforderung sein. Oft stellt man erst im Nachhinein fest, nämlich dann, wenn Allah ta’ala Sich in Seiner Eigenschaft als Freigiebiger und Barmherziger bereits gezeigt hat, dass man nicht von alleine und nicht von Anfang an darauf vertraut oder es schlichtweg vergessen hatte.

Im Grunde können wir uns als Muslime in jedem Fall freuen: Segnet uns Allah ta’ala mit einer guten Sache, können wir uns darüber freuen und nimmt uns Allah ta’ala eine gute Sache, können wir uns auf eine bessere freuen. Ebenso verhält es sich mit den Dingen, die wir freiwillig für Allah unterlassen, obwohl sie uns vielleicht reizen oder verführen.

Der Gesandte (s) sagte:

 „Du lässt keine Sache aus Furcht vor Allah, ohne dass Allah dir etwas Besseres an dessen Stelle gibt“.

(Ahmad)

Ich möchte hierzu zur Abwechslung nicht die Geschichte einer Schwester erzählen, sondern einen kleinen Teil meiner eigenen. Denn Allah ta’ala hat mir wohl in keiner anderen Sache so sehr gezeigt, dass wir etwas Besseres von Ihm erhalten, wenn wir etwas für Ihn lassen, wie hinsichtlich meiner damaligen Entscheidung, das Kopftuch zu tragen.

Viele der Schwestern werden mir darin zustimmen, dass die islamische Kleidung – genau wie viele Nichtmuslime ohnehin vermuten – einen einschränkt. Erheblich sogar. Ich meine jedoch nicht in dem Gefühl, sich frei und nicht unterdrückt zu fühlen. Ich fühlte mich nie freier, denn ich habe das erste Mal das Gefühl, nicht auf mein Aussehen reduziert und als eine Art zu ergatterndes Wild etikettiert und damit zum Objekt degradiert zu werden. Und der Blödsinn mit der Unterdrückung ist mittlerweile Running-Gag in meiner Familie. Wenn wir uns gegenseitig ärgern, schreit einfach jemand „Hilfe, ich werde unterdrückt!“ und wir lachen uns über die Absurdität dieser Aussage kaputt.

Die Einschränkung kommt von ganz anderer Seite: Es wird schwierig, einen guten Job zu bekommen, ohne interessierte bis verächtliche Blicke über die Straße zu gehen oder eine Wohnung mit dem Gefühl des Willkommenseins vermietet zu kriegen.

Ich gebe zu, ich war damals nervös und hatte Angst davor, dass mir diese und viele andere Dinge verwehrt würden, wenn ich nun ein Kopftuch tragen würde. Zudem war mir bewusst, dass ich mit dieser Entscheidung eine riesige Verantwortung übernehmen würde und von nun an so gut wie immer und überall Repräsentantin meiner Religion war.

Doch ich wollte es unbedingt und – alhamdulillah – fasste dann irgendwann den Mut. Und subhanAllah – was geschah im Laufe der Zeit? Ich bekam die besten Nebenjobs, die ich mir hätte wünschen können (nicht einmal auf Bewerbung, sondern sogar explizit angeboten, subhanAllah) und genieße jeden Tag die wunderschöne Aussicht meiner Wohnung. Was jedoch die schönste, weltliche Sache an meinem Kopftuch ist, ist dass ich dadurch (ja, unter anderem dadurch allein!) unglaublich tolle Menschen kennenlernen durfte, die mich in meinem Leben sehr bereichert haben.

Ich trage das Kopftuch, um Allah zu dienen. Nicht für Jobs, Wohnung oder Menschen. Aber diese weltlichen Ängste begleiteten mich, bevor ich mich dazu entschied und ich weiß, dass dies auch andere Schwestern davon abhält, sich hierfür zu entscheiden. Ich kann euch nur sagen: Es war die beste Entscheidung meines Lebens und ich habe es keine Sekunde bereut. Noch nie habe ich mich Allah ta’ala näher gefühlt und noch nie hat Er mich mit so viel gesegnet und mir für das, was ich dafür in Kauf genommen habe, so sehr belohnt, wie seit jener Zeit.

Bei Allah, ich habe in meinem Leben am eigenen Leib gespürt – und nicht einmal, sondern viele Male –, dass Allah ta’ala nimmt, doch dafür gibt und gibt und gibt und gibt…

SubhanAllah. Er ist der Ausbreitende, der Freigiebige.

° Eure dankbare Schwester °

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